Unverschuldet in Verkehrsunfall verwickelt – was haben Sie für Ansprüche?

1. Sachschaden

Bei Bagatellschäden (750,00 bis 1.000,00 €, teilweise auch bis 1.500,00 €) genügt ein Kostenvoranschlag mit aussagekräftigen Fotos des Schadens. Bei größeren Schäden zur Beweissicherung unbedingt ein Sachverständigengutachten einholen; die Kosten müssen ebenfalls von der gegnerischen Haftpflicht erstattet werden. Wenn allerdings eine Haftungsquotelung in Betracht kommt, müssen die Sachverständigenkosten entsprechend der eigenen Haftungsquote selbst getragen werden, sie werden von der Gegenseite dann nur anteilig übernommen.

Wenn kein Totalschaden vorliegt, kann grundsätzlich auch fiktiv abgerechnet werden. Das bedeutet, die in dem Kostenvoranschlag oder Gutachten ausgewiesenen Reparaturkosten können netto verlangt werden, ohne dass die Reparatur nachgewiesen werden muss. Ob die Voraussetzungen für eine Fiktivabrechnung gegeben sind, sollten Sie im Einzelfall anwaltlich prüfen lassen.

Aber auch im Reparaturfall wird die Mehrwertsteuer nur erstattet, wenn sie angefallen ist und nachgewiesen wird.

Im Totalschadensfall wird der Wiederbeschaffungswert eines mit dem verunfallten Fahrzeug vergleichbaren Fahrzeugs abzüglich des Restwertes des verunfallten Fahrzeugs erstattet. Die entsprechenden Werte werden im Gutachten ausgewiesen.

2. Nutzungsausfall / Mietwagenkosten

Für die Reparatur- oder Wiederbeschaffungsdauer (beim Totalschaden) haben Sie Anspruch auf Erstattung der Mietwagenkosten oder auf Nutzungsfall. Letzterer wird pauschaliert pro Ausfalltag gezahlt; die Höhe richtet sich nach dem verunfallten Fahrzeug. Bei Anmietung eines Ersatzfahrzeugs ist Vorsicht angesagt; hier gibt es oft Streit, ob die Kosten der Höhe nach angemessen sind. Denn den Geschädigten trifft grundsätzlich eine Schadensminderungspflicht.

3. Wertminderung

Gerade bei neueren Fahrzeugen verbleibt oft trotz Durchführung der Reparatur eine Wertminderung. Diese wird ebenfalls in dem Gutachten ausgewiesen.

4. Rechtsanwaltskosten

Auch die Rechtsanwaltskosten gehören zum erstattungsfähigen Schaden. Zögern Sie daher nicht, sich frühzeitig anwaltlichen Rat einzuholen.

5. Schmerzensgeld und weitere verletzungsbedingte Ansprüche

Wenn Sie verletzt wurden:  Sie haben Anspruch auf ein Schmerzensgeld, dessen Höhe sich nach der Art der Verletzung, den damit verbundenen Beeinträchtigungen, der Dauer der Arbeitsunfähigkeit und der Behandlung etc. richtet. Sie sollten daher schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen, der die erlittenen Verletzungen dokumentiert. Bitte auch insoweit anwaltlichen Rat in Anspruch nehmen. Es gibt keine festen Sätze, sondern hier muss je nach den Besonderheiten des Einzelfalles Rechtsprechung zu vergleichbaren Verletzungen recherchiert werden. In Betracht kommen auch weitere Positionen wie Heilbehandlungskosten, Fahrtkosten für Fahrten zum Arzt, Haushaltsführungsschaden etc.                                                                                                         

6. Weitere Kosten:

-          Abschleppkosten;

-          Pauschale für unfallbedingte Nebenkosten wie Porto- und  Telefonkosten(25,00  €) oder – bei höheren Kosten – nach Einzelnachweis;

-          evtl. Finanzierungskosten;

-          weiterer Sachschaden wie z.B. an mitgeführten Gegenständen, Bekleidung etc.;

-          bei Totalschaden Kosten für Ab- und Anmeldung sowie für Kennzeichen; Entsorgungskosten.

Dieser Artikel wurde verfasst von Rechtsanwältin Cornelia Wiegleb

Rechtsanwältin Cornelia Wiegleb

 

Fachanwältin für Sozialrecht Tätigkeitsschwerpunkte

  • Familienrecht
  • Verkehrsrecht
  • Strafrecht

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